Weitwinkelaufnahme der Fassade des Renardier-Gebäudes im Art-déco-Stil, aufgenommen vom Rathausgarten aus. ©Nohcab

Art déco: Ein Blick auf die Kunst von Emilie, einer Reiseleiterin

Emilie ist seit 2015 leidenschaftliche Reiseleiterin und vermittelt ihre Eindrücke und ihr Wissen über die Region Calais XXL in Form von Führungen, Besichtigungen und Bildungsangeboten. Jedes Jahr engagiert sie sich aktiv beim Art-déco-Frühlingsfest, einem Kulturerbe, das sie bestens kennt und dessen Schätze sie gerne mit anderen teilt.

Porträt der Reiseleiterin Emilie Ternon vor der Bourse du Travail (Arbeitsbörse), die über Art Deco in Calais spricht.

Was hat Sie dazu bewogen, Reiseleiter zu werden?

Mit 30 suchte ich nach einer beruflichen Veränderung. Ich habe Theater schon immer geliebt, und der Beruf des Reiseleiters hat mich begeistert. Also habe ich eine Ausbildung zum Reiseleiter gemacht, und es war eine echte Offenbarung.

Diese Schulung hat mir die Augen für meine Region geöffnet. Ich entdeckte ein Erbe, von dem ich kaum etwas wusste, und ich verspürte nun noch mehr den Wunsch, dieses Wissen weiterzugeben und unser Erbe zu präsentieren.

Was hat Ihr Interesse am Art déco geweckt?

Es ist eine Stilrichtung, die ich bereits während meines Studiums mit Begeisterung entdeckt habe und die ich sehr schätze, da sie eine vollendete Kunstform darstellt. In Calais gefällt mir besonders der Art déco: Obwohl er schon in den 90er-Jahren diskutiert wurde, gab es noch viel zu entdecken, vor allem in den Stadtvierteln.

Um mehr zu erfahren, verbringe ich viel Zeit in Archiven, in Bibliotheksbüchern und vor Ort, um Gebäude zu identifizieren (dank meines Hundes Julius, meinem treuen Begleiter, der mit mir durch die Stadt streift!).

Typisches Gebäude mit der von Roger Poyé entworfenen Art-Deco-Fassade des Arbeitsamtes von Calais. ©Nohcab
Detail der Schmiedearbeiten des Rathauses von Calais, angefertigt von Adalbert Szabo. Eine Goldschmiedearbeit, die Arabesken und florale Motive kombiniert und die Eleganz der neoflämischen Architektur dieses emblematischen Denkmals einfängt, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. ©Fred Collier
Kronleuchter aus dem Rathaus von Calais, der an der Haupttreppe hängt. ©Fred Collier

Wie würden Sie Art Deco in wenigen Worten definieren?

Der Art déco folgte auf den Jugendstil. Er wandelte sich von überschwänglicher Dekoration und schwungvollen Linien hin zu einer Neuinterpretation des Klassizismus. Symmetrie, geometrische Formen, stilisierte Motive und die Bedeutung des Lichts waren allesamt präsent.

Es ist auch eine vollständige Kunstform: Man findet sie in der Architektur, aber auch in der Inneneinrichtung, bei Objekten, Schmuck, Gemälden, Skulpturen… und sogar im Tanz!

 

Welche Merkmale lassen sich leicht identifizieren?

Je nach Epoche und Architekten präsentiert sich der Art déco nie auf dieselbe Weise, und genau das macht jede Entdeckung interessant. Einige Merkmale sind jedoch recht leicht zu erkennen: die Stilisierung von Motiven, geometrische Formen, Vertikalität … oder, im Gegenteil, Horizontalität im Stil der Ozeandampfer.
Und wie bei allem gilt: Je mehr sich unser Auge daran gewöhnt, desto leichter nehmen wir diese Details wahr!

 

Was Calais für den Art déco so faszinierend macht, ist die Vielfalt seiner Altstadtviertel, in denen sich noch heute zahlreiche Beispiele dieses Stils finden. Industrie-, Verwaltungs- und Sakralbauten, aber auch Privathäuser.

Optik

Welche Art-Deco-Sehenswürdigkeiten in Calais sollte man unbedingt gesehen haben?

Das Werk von Roger Poyé ist in seiner Gesamtheit von grundlegender Bedeutung: die Bourse du Travail, die Schule P'tit Quinquin, die Kirche Saint-Joseph, der Automobile Club… Auch die Werke der Architekten Renardier und Cézard sind einen Besuch wert.

Am liebsten aber gehe ich durch mir unbekannte Straßen und entdecke dabei unerwartete Details: eine Verzierung, ein Schmiedeeisengitter, ein Buntglasfenster… Man muss sich wirklich die Zeit nehmen, die Umgebung aufmerksam zu betrachten, um den Art déco vollends zu würdigen.

Die 5 Orte, die Sie unbedingt sehen müssen
Haus im Art-Deco-Stil aus rotem Backstein mit Glasbalkon, das einst der Hauptsitz des alten Automobilclubs war.

Welche Neuerungen oder Highlights bietet die diesjährige Ausgabe in Calais?

Auch in diesem Jahr bietet Calais wieder ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen, Konferenzen und Stadtführungen. Besonders freue ich mich, eine neue Führung zum Thema Automobile anbieten zu können. Die Wiedereröffnung der Arbeitsbörse ist für meine Kollegen und mich eine große Freude. Wir freuen uns sehr, Besuchern die Möglichkeit zu geben, diesen traditionsreichen Ort zu entdecken oder wiederzuentdecken!

Gibt es einen wenig bekannten Ort oder ein Detail, das Sie besonders gerne mit uns teilen?

Die Rue Mariotte ist überraschend und ziemlich unbekannt. Entdecken Sie sie bei Ihrem Besuch im Viertel Saint-Pierre – Sie werden sehen!

 

 

Der Art-Deco-Frühling im Detail
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