©Stephane Ribeiro Da Ascencao Interview mit Maurizio Galante und Tal Lancman
Wenn Haute Couture auf Design und Kunst trifft
Anlässlich der Ausstellung Maurizio Galante & Tal Lancman: Haute Couture, Design, KunstIn der Cité de la dentelle et de la mode (Stadt der Spitze und Mode) und im Musée des Beaux-Arts (Museum der Schönen Künste) in Calais präsentieren die beiden Künstlerinnen ihre über zwanzigjährige Zusammenarbeit, ihre Vorliebe für die Verschmelzung verschiedener Disziplinen und ihre Faszination für die Transformation von Materialien. Eine Einladung, eine Welt zu entdecken, in der Emotion, Schönheit und Neugier im ständigen Dialog stehen.
Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit?
Was ist das Geheimnis dieses Künstlerduos?
Unsere Zusammenarbeit begann in New York mit einem Projekt für eine japanische Marke. Wir arbeiteten beide als Art Directors an einem Konzept, das auf funktionsübergreifender Zusammenarbeit basierte. Dieses Projekt tourte anschließend um die Welt, unter anderem nach Paris und Peking.
Seitdem basiert unsere Zusammenarbeit vor allem auf gegenseitigem Respekt für unsere kreativen Welten. Seit 20 Jahren teilen wir dieselbe Neugier und denselben Wunsch, neue Gebiete zu erkunden. Wir werden oft gefragt, welche Herausforderung uns nach unserer Arbeit in Mode, Design oder Kunst als Nächstes erwartet. Und unsere Antwort lautet sehr oft: uns selbst immer wieder überraschen und Sich Projekte vorzustellen, die wir noch nie zuvor durchgeführt haben.
Sie bewegen sich zwischen Haute Couture, Design und Kunst. Warum schaffen Sie gerne einen Dialog zwischen diesen Welten?
Für uns Jede Disziplin bedingt die andere.. Es ist wichtig, Brücken bauen zwischen diesen verschiedenen Universen, Verbindungen aufbauen und fum den Dialog zwischen den verschiedenen Kompetenzen zu erleichternDieser Gedanke der Hybridität steht im Mittelpunkt unseres künstlerischen Ansatzes. Wir erkunden gerne die Grenzen zwischen Haute Couture, Design und Kunst, denn oft entstehen die interessantesten Ideen gerade in diesen Begegnungen.
Unsere Arbeit ist eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Begriff der Schönheit. Wir sind fasziniert von dem, was fremd, unerwartet oder manchmal sogar grotesk erscheinen mag.
Man bezeichnet Sie oft als „freie Elektronen“. Trifft diese Definition auf Sie zu?
Ja, insofern, als der Freiheitsgedanke für uns von grundlegender Bedeutung ist. Wir haben stets versucht, unabhängig zu bleiben und uns nicht von Marketingstrategien oder äußeren Zwängen leiten zu lassen.
Auf unserem gesamten Weg haben wir stets danach gestrebt, nach unseren eigenen Überzeugungen zu gestalten – für uns selbst und für andere. Unser größtes Ziel ist letztlich ganz einfach: abends mit reinem Gewissen einschlafen zu können, im Wissen, unserer Vision treu geblieben zu sein.
Wir versuchen, so wenige Kompromisse wie möglich einzugehen und Projekte zu schaffen, die widerspiegeln, wer wir sind, die uns Freude bereiten und die ihre Aufrichtigkeit bewahren.
©Stephane Ribeiro Da Ascencao In Ihren Kreationen scheinen die Materialien zum Leben zu erwachen.
Was fasziniert Sie so sehr an der Arbeit mit Materialien?
Materialien und Techniken sind letztendlich nur ein Weg zum Endergebnis. Was uns am meisten fasziniert, ist Das ist die Idee von Transformation: Aus einfachen Materialien etwas Einzigartiges erschaffen. Es ist ein bisschen wie beim Backen. Mit ganz einfachen Zutaten wie Mehl oder Eiern kann man einen außergewöhnlichen Kuchen zaubern. Genauso ist es bei unserer Arbeit: Wir verwandeln Rohstoffe, hauchen ihnen neues Leben ein und erschaffen so etwas Einzigartiges.
©C_Stephane_Ribeiro_Da_Ascencao Uns interessiert genau diese Grenze zwischen Schönheit und dem, was wir als anders wahrnehmen.
Zwischen dem Spitzenmuseum und dem Museum der Schönen Künste
Wie haben Sie diesen Dialog zwischen den beiden Museen konzipiert?
Wir wurden zunächst von den Orten selbst inspiriert. In Stadt der Spitze und ModeWir stellten uns eine Art Retrospektive unserer Arbeit in verschiedenen Disziplinen vor, mit einem besonderen Fokus auf Arbeiten aus Spitze sowie den verschiedenen Techniken und Materialien, die wir erforschen.
Au Museum of Fine ArtsDer Ansatz ist anders. Wir haben diesen Raum als einen wahren „White Box“ konzipiert, einen lichtdurchfluteten Ort, an dem die Werke in einen Dialog um ein zentrales Thema treten: die Natur. Einige Arbeiten sind sehr offensichtlich von ihr inspiriert, andere auf subtilere oder poetischere Weise.
Jeder Ort besitzt somit seine eigene Identität und nimmt gleichzeitig an derselben kreativen Reise teil.
©Stephane Ribeiro Da Ascencao
©Stephane Ribeiro Da Ascencao „Tiger Cloud“ heißt Besucher willkommen
Warum sollte man sich für dieses spektakuläre Werk entscheiden?
Dieses Werk wurde ursprünglich für die Pariser Zentrale von Baccarat geschaffen. Es verkörpert perfekt unsere Arbeitsweise, da es Technik, Konstruktion und Idee zugleich vermittelt. Bei Tiger Cloud geht es vor allem um Transformation: Aus einem einfachen Material etwas Außergewöhnliches zu erschaffen. Dieser Ansatz findet sich in all unseren Arbeiten wieder, ob es sich nun um Glas, Textilien oder andere Materialien handelt.
Dieses Kunstwerk trägt aber auch eine Botschaft in sich. Unsere Aufgabe ist es nicht, einfach nur Objekte oder ästhetische Formen zu schaffen. Wir möchten auch Geschichten erzählen und das öffentliche Bewusstsein für bestimmte Realitäten schärfen. Mit diesem Tiger erinnern wir daran, dass es heute nur noch etwa 4.500 Tiger in freier Wildbahn gibt. Es ist daher ein Werk, das zum Staunen und Nachdenken anregt.
©Stephane Ribeiro Da Ascencao Ein Wort, um deine Welt zu beschreiben?
Emotionen stehen an erster Stelle.
Unser Universum wird durch diese Reflexion genährt: durch das Hinterfragen unserer Perspektive, das Erkunden des Unerwarteten und das Enthüllen von Schönheit dort, wo man sie nicht unbedingt erwartet.